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Hochsensibilität Sind Sie hochsensibel? Ein paar wichtige Dinge zur Hochsensibilität Woran erkennt man Hochsensible? Was tun? Wie geht es weiter? - Hochsensbilität im Coaching

Hochsensibilität

Hochsensibilität betrifft alle. Denn selbst wenn man nicht zu den Hochsensiblen gehört, hat man doch immer mit ihnen zu tun - im privaten Umfeld, im Alltag da draußen, oder in Unternehmen und Organisationen. Gemeint ist Hochsensibilität hier im Sinne der Arbeiten von Dr. Elaine Aron, die das Konzept 1996 erstmals im Klassiker „The Highly Sensitive Person“ präsentierte (auf deutsch mit dem Titel „Sind Sie hochsensibel?“ erschienen). In den beratenden und therapierenden Berufen hat sich Hochsensibilität noch nicht flächendeckend als eigenständiges Merkmal durchgesetzt.

Sind Sie hochsensibel?

Wenn Sie das wissen möchten, suchen Sie bitte in einer Suchmaschine nach „Elaine Aron Test“. Der bekannte Fragebogen von Dr. Elaine Aron kann nämlich vielerorts im Internet gefunden werden. Es gibt ihn in verschiedenen Längen mit bis zu 29 Fragen. Eine verkürzte Version wurde auch für Kinder entwickelt und Jugendliche. Hier sind einige Eigenschaften beschrieben. Natürlich trifft keine einzige dieser Eigenschaften auf 100% der Hochsensiblen zu. Und Menschen können auch aus anderen Gründen einige dieser Eigenschaften haben.

Ein paar wichtige Dinge zur Hochsensibilität

1. Sie ist keine Störung, die es zu heilen gilt, sondern fester Bestandteil der Persönlichkeit, vom ersten bis zum letzten Tag, jeden Tag. Bei Menschen sind ca. 15 bis 20% hochsensibel, und zwar Frauen und Männer gleichermaßen. Sie besteht bei etlichen Tierarten. Da die Natur mit der Evolution unnötige Funktionen löscht, darf man davon ausgehen, dass Hochsensibilität keineswegs unnötig, sondern sehr nützlich ist. Insbesondere könnten hochsensible Individuen in der Tierwelt eine Frühwarnfunktion haben, die Bedrohungen früher wahrnimmt, als der Rest der Herde. Wenn Schwierigkeiten mit der eigenen Hochsensibilität da sind, besteht die Lösung nicht daraus, die Hochsensibilität loszuwerden. Denn das wäre, als wollte man das Atmen loswerden. Sinnvoller ist es, der eigenen Hochsensibilität überhaupt bewusst zu werden, sie genauer kennenzulernen und sie zu akzeptieren. Dann kann man besser die damit verbundenen Stärken und Kompetenzen sehen und wertschätzen und sie ins eigene Leben integrieren. So entsteht eine Selbstfürsorge, um mit der eigenen Sensibilität angemessen zu haushalten. Und es fällt viel leichter, gegenüber den Mitmenschen für die eigenen Bedürfnisse einzustehen, wenn man diese Bedürfnisse gut kennt und wahrnimmt. Diese Integration der Hochsensibilität kann einige Veränderungen im Leben erfordern. Für eine Begleitung in dieser Bewusstwerdung und Wandlung ist ein Coaching sinnvoll. 2. Hochsensibilität beschreibt keine Verhaltensweisen, sondern wirkt sich auf die Verarbeitung von Reizempfindungen aus. Wie sich diese Verarbeitung wiederum auf das Verhalten auswirkt, ist bei jedem Menschen anders und verändert sich mit der Zeit. Ein bestimmter Reiz trifft Hochsensible nicht unbedingt stärker als Normalsensible. Sind die Reize jedoch im Nervensystem angekommen, tauchen sie tiefer ein. Sie werden bei Hochsensiblen detaillierter und intensiver verarbeitet. Das erfordert mehr Zeit und Energie. Um das zu verstehen, stellen Sie sich vor, dass Sie im Sommerurlaub im Meer schwimmen. Als normalsensibler Mensch erleben Sie es so, dass Sie an der Oberfläche voran kommen. Der Kopf gerät nur bei besonders hohen Wellen kurz unter Wasser. Als hochsensibler Mensch ist es aber so, als würden Sie bei fast jedem Schwimmzug unwillkürlich unter Wasser geraten, manchmal ziemlich tief. Sie kommen zwar vorwärts, aber langsamer und unter mehr Energieaufwand. Das hat aber auch einen Vorteil: Sie haben viel mehr Informationen darüber, was alles unter der Oberfläche passiert. Sie sehen die tiefen Strömungen und nicht nur die Wellen an der Oberfläche. Sie nehmen auf anderen Ebenen mehr wahr. 3. Zu starke oder zu viele Reize können zur Überforderung führen, manchmal sogar zu Kampf-oder-Flucht-Reaktionen. Ist die Überforderung erreicht, können Hochsensible sehr dünnhäutig reagieren. Außenstehende können diese überraschenden Reaktionen missverstehen und persönlich nehmen. Dabei bedeuten sie nur: Es haben sich zu viele unverarbeitete Reize angestaut, nichts geht mehr, es bedarf einer Pause, und zwar jetzt! Deswegen benötigen hochsensitive Menschen unbedingt Pausen und Orte des Rückzugs. Sie sollten lernen, die drohende Reizüberflutung im voraus zu spüren und eine Pause einzulegen, bevor die Alarmstufe erreicht ist. Man könnte sagen: Sie sollten lernen, schon bei Gelb anzuhalten, nicht erst bei Rot. Im Ruhemodus, wenn das Gehirn keine bewusste Aufgabe erledigt, arbeitet es nämlich all die angestauten Reize und Informationen auf und bildet neue Vernetzungen. Außerdem sind Hochsensible oft schreckhafter als andere. Diese deutliche Schreckreaktion kann von Außenstehenden als grundsätzliche Ängstlichkeit missverstanden werden. In Wirklichkeit ist das nur eine von vielen Auswirkungen, dass äußere Reize tiefer ins System gehen.

Hochsensibilität in Verbindung mit anderen Wesenszügen

Hochsensibilität kann in einem Menschen auf andere Wesenszügen treffen, die auch im Konflikt zu ihr stehen können. So sind etwa 30% der Hochsensiblen zugleich „High Sensation Seekers“ (HSS), also auf der Suche nach immer neuen Reizen und Tätigkeiten. Dann langweilen sie sich schnell und suchen ständig nach etwas Neuem. Daraus ensteht eine Flut an Reizen, die ihr Hochsensibilität belastet. Betroffene beschreiben das gern so, als würden sie mit einem Fuß auf dem Gaspedal und dem anderen auf der Bremse durchs Leben fahren. Allerdings werden sie sich vielleicht mehr als normalsensible „High Sensation Seekers“ gegen Risiken absichern und Vorsichtsmaßnahmen treffen. Manche Eigenschaften der Hochsensiblen finden sich in anderen Menschengruppen wieder. So haben auch introvertierte Menschen immer wieder ein Bedürfnis nach Stille und Pausen. Übrigens wird geschätzt, dass etwa 70% der Hochsensiblen auch Introvertierte sind. Das bedeutet, dass ca. 30% der Hochsensible extravertiert sind. Hochsensible, die entweder extravertiert oder „High Sensation Seekers“ sind, ist es noch wichtiger als für andere, Ruhepausen einzulegen und dem Gehirn Gelegenheit zu geben, hinter der Reizflut her zu kommen. Man liest gelegentlich die Annahme, dass Hochbegabte grundsätzlich auch hochsensibel sind. Das ist aber bislang nicht durch die Forschung bestätigt. Die Kombination aus Hochsensibilität und Hochbegabung bildet jedoch noch einmal eine eigene Art Mensch. Diese Überschneidungen machen deutlich, dass es nicht einfach ist, Hochsensibilität von anderen Merkmalen abzugrenzen.

Woran erkennt man Hochsensible?

In der Kindheit und Jugend Die Hochsensiblen sind oft die Kinder, um die man sich ein bisschen Sorgen macht, weil sie als Säugling bis zur Erschöpfung schreien. Sie tun das nicht, um ihre Eltern zu nerven, sondern weil sie Reize in einer Intensität erleben, mit der sie nicht umgehen können. Später spielen sie gerne auch mal alleine – auch wenn die Eltern sie lieber in der Gemeinschaft Gleichaltriger sähen. Oder diese Kinder betrachten das Geschehen eine Weile lang vom Rand des Spielplatzes oder Pausenhofs aus, statt sich gleich ins Getümmel zu stürzen und schnell einen Freundeskreis aufzubauen. Hochsensible Jungen interessieren sich oft wenig für das Sich-Messen und die Ruppigkeiten anderer Jungen und suchen möglicherweise in der Pubertät eher die Freundschaften mit Mädchen. Die männlichen Freundschaften kommen in diesem Fall später. Hochsensible Kinder können häufig schlecht damit umgehen, dass ihnen etwas misslingt oder sie Fehler begehen. Es kann sie ins Mark treffen. Eltern sollten solche Kinder also nicht nur loben, wenn sie etwas erreicht haben, sondern auch, wenn sie es trotz Misslingens aufrichtig versucht haben. Sonst kann es sein, dass es den eigenen Wert über Maßen am Erfolg festmacht und einen lähmenden Perfektionismus ins Erwachsenenalter mitnimmt. Auch die ersten Liebesbeziehungen können länger auf sich warten lassen, als bei Normalsensiblen. Das hochsensible Kind verlässt das Elternhaus tendenziell später als die anderen Kinder. Ein schwieriges oder traumatisches Umfeld trifft sie mehr als andere. Umgekehrt reagieren sie überdurchschnittlich positive auf ein aufbauendes und positives Umfeld. So zeigen z.B. diverse Studien, dass hochsensitivite junge Menschen besser als andere auf Programme zur Depressionsverhütung (Pluess, Binwell, 2015) oder Mobbying- Prävention (Nocentini, Mesentini, Pluess, 2018) reagieren. Wenn Kinder hochsensibel sind, ist es sinnvoll, auch bei den Eltern und Großeltern nachzuschauen, ob vielleicht eine unentdeckte Hochsensibilität vorhanden ist. Eine Studie von 2022 (Assary, Zavos, Krapohl et al.) zeigte, dass der Ursprung zu 47% genetisch ist. Eines möchte ich noch jungen hochsensiblen Menschen, die sich heute schwer tun, ihren Platz zu finden, ans Herz legen: Es wird mit den Jahren leichter. In der Jugend bilden sich Gruppen teilweise noch nach oberflächlichen Kriterien oder evolutionsbiologischer Programmierung. Aber mit der Zeit werden die Eigenschaften hochsensibler Menschen von anderen immer mehr geschätzt. Hochsensible Erwachsene Einige Merkmale von hochsensiblen Menschen: Detaillierte Wahrnehmung etlicher, kaum sichtbarer Reize wie etwa Mikroausdrücke in Gesichtern oder Stimmungen im Raum. Hochsensible Menschen benötigen oft erst eine Phase der Beobachtung eines Raums, bevor sie in den zwischenmenschlichen Austausch gehen. Hohe Empathie, wodurch sie ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen aus dem Blick verlieren können. Große Zugewandtheit – allerdings unter der Voraussetzung, dass zuvor eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut wurde. Bis dahin können Hochsensible im Gegenteil kühl und distanziert erscheinen. Zuhörfähigkeit – die von manchen redseligen Mitmenschen auch ausgenutzt wird. Sie drückt sich vor allem in Zweiergesprächen aus, fällt in größeren Gruppen schwerer. Hohe Empfindlichkeit auf das Umfeld. Die Art des Miteinanders, die Stimmung der Gruppe, der Aufbau der Räume können erheblichen Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit haben und es fällt ihnen schwer, sich davon abzuschotten. Prüfungssituationen können lähmend wirken. Tiefes Denken und Kreativität – was sie aber für sich behalten, wenn das Umfeld nicht offen ist. Spontanes Eingehen von Risiken und Veränderungen fällt schwer. Lässt man ihnen jedoch Zeit, die Veränderungen zu planen, sind sie dazu durchaus fähig, und erweisen sich als gute Planer. Veränderungen sollten jedoch besser in kleine Schritte aufgeteilt werden. Konfliktvermeidung. Hochsensible mögen keine Konflikte und werden mitunter meiden, zu widersprechen, bis sie den Druck nicht mehr aushalten und es aus ihnen heraus platzt. Wenn man merkt, dass sich ein hochsensibler Mensch versteift oder er verstummt, ist es hilfreich, ihn nach seiner Meinung zu fragen, um den Druck heraus zu nehmen bevor er überläuft. (“Ich merke, dass du nicht einverstanden bist. Was meinst du dazu?”) Gewissenhaftigkeit in der Sache, ohne sich dafür in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Das führt viele Hochsensible in Situationen, in denen sie erleben, wie sie etwas leisten und sich andere dann mit den Federn schmücken. Tendenz zum Perfektionismus, der lähmend werden kann. Interessen des Kollektivs werden oft über die eigenen Interessen gestellt. Daraus ergibt sich ein Sinn fürs das große Ganze. Es fällt ihnen häufig schwer, rücksichtslos ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Häufig fällt es ihnen schwer, überhaupt für ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse einzustehen. Ein starker Gleichgewichtssinn bzw. Sinn für Ausgleich, oft Gerechtigkeitssinn genannt. Aber Gerechtigkeit ist etwas, das sehr von Ort und Zeit abhängt. Hier ist hingegen ein tieferer Sinn für Ungleichgewichte gemeint, der bei vielen hochsensiblen Menschen einen Drang erzeugt, sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Verbundenheit mit der Natur - die besonders heilsam wirkt. Hochsensible sollten die Natur so oft wie möglich aufsuchen. Dieses intensive Empfinden geht oft mit einem Mangel an Selbstwertgefühl und damit auch an Selbstbewusstsein einher. Eine Folge kann sein, dass bestimmte Lebenssituationen zunehmend gemieden werden. Diese Vermeidungsverhalten können dazu führen, dass Potenziale nicht entfaltet werden und das Leben insgesamt „kleiner“ wird. Das wiederum drückt auf das Selbstwertgefühl. Um aus diesem Teufelskreis auszusteigen, ist ein Perspektivwechsel auf die eigene Hochsensibilität erforderlich. Dann kann man beginnen, die Schätze zu heben, die der Hochsensibilität inne liegen. Das Höhere in Mensch und Natur Hochsensible sind oft an Formen der Kunst, der Spiritualität und der Schönheit interessiert. Dies hat auch damit zu tun, dass sie sich als Bestandteil eines großen Ganzen sehen - mit dem sie aufgrund der tiefen Reizverarbeitung ja ohnehin in ständigem Austausch stehen. Daher kann ein Gang durch die Natur ausgesprochen heilsam auf sie wirken und empfiehlt sich ganz besonders in schwierigen Zeiten.

Wie geht es weiter? Hochsensibilität im Coaching

Viel wahrnehmen mag mitunter anstrengend sein, aber warum sollte es eine Schwäche sein? Wer denkt, dass die Lösungen für die Welt vielleicht doch nicht im Schreien und Polarisieren liegen, findet sie ja vielleicht bei den hochsensiblen Menschen. Denn die wissen intuitiv, wie man ein menschliches Kollektiv enger zusammenhält, und zudem wollen sie dabei lieber zuhören als selbst im Mittelpunkt stehen. Der Umgang mit Hochsensibilität besteht in den folgenden Schritten: 1. Die Hochsensibilität bei sich selbst erkennen. 2. Lernen, was zur Hochsensibilität dazu gehört und was nicht. Die damit verbundenen Stärken und Fähigkeiten verstehen und wertschätzen. Aber auch die Herausforderungen ehrlich sehen und angemessene Lösungsstrategien entwickeln. 3. Die Hochsensibilität bei sich akzeptieren und beginnen, aus vorhandenen Vermeidungsverhalten aussteigen, damit das eigene Leben wieder „größer“ werden kann. 4. Die Hochsensibilität in den eigenen Alltag integrieren. Das eigene Leben und die bisherigen Glaubenssätze darauf prüfen, wo Anpassungen erforderlich sind, um die Lebensqualität zu erhöhen. 5. Nach außen hin zur eigenen Hochsensibilität stehen. Für die eigenen Bedürfnisse eintreten. Die eigenen Stärken besser nach vorne stellen. Wagen, endlich gesehen zu werden. Wer mehr im Einklang mit seiner wahren Natur ist, kann sich vertrauensvoller und offener den Menschen und der Welt zeigen. Ein Coach ist ein sinnvoller Begleiter, wenn Sie in solch unsicheren Zeiten den inneren Halt und den inneren Kompass aufbauen möchten, wenn Sie nicht mehr wegen Ihres starken und manchmal überwältigenden Empfindens an Ihrem Leben vorbei leben möchten, wenn Sie stattdessen die Stärken und Kompetenzen der Hochsensibilität in sich aufdecken wollen. Beachten Sie bitte: Ein Coach ist kein Therapeut. Der Berliner Psychotherapeut Tom Falkenstein empfiehlt, sich psychotherapeutischen Rat zu suchen, wenn Sie zwar denken, dass Sie hochsensibel sind, aber gleichzeitig daran zweifeln, dass die starken Gefühle und Empfindungen allein aus der Hochsensibilität stammen. So kann eine Diagnose gestellt werden, die beispielsweise psychische Störungen ermittelt oder ausschließt. Ein Coach kann psychische Störungen weder diagnostizieren, noch eine Therapie dafür anbieten. Ein Coach kann aber dabei behilflich sein, mit der eigenen Hochsensibilität besser umzugehen – vor allem, wenn er selbst hochsensibel ist.

Alexander Hohmann

Life Coach & Business Coach in Freiburg

Coaching für Hochsensible Ruhige Achtsamkeit im Park von Versailles

Alexander Hohmann

Persönlicher Coach &

Business Coach in

Freiburg

deutsch - französisch - englisch

Hochsensibilität Sind Sie hochsensibel? Ein paar wichtige Dinge zur Hochsensibilität Woran erkennt man Hochsensible? Was tun? Wie geht es weiter? - Hochsensbilität im Coaching

Hochsensibilität

Hochsensibilität betrifft alle. Denn selbst wenn man nicht zu den Hochsensiblen gehört, hat man doch immer mit ihnen zu tun - im privaten Umfeld, im Alltag da draußen, oder in Unternehmen und Organisationen. Gemeint ist Hochsensibilität hier im Sinne der Arbeiten von Dr. Elaine Aron, die das Konzept 1996 erstmals im Klassiker „The Highly Sensitive Person“ präsentierte (auf deutsch mit dem Titel „Sind Sie hochsensibel?“ erschienen). In den beratenden und therapierenden Berufen hat sich Hochsensibilität noch nicht flächendeckend als eigenständiges Merkmal durchgesetzt.

Sind Sie hochsensibel?

Wenn Sie das wissen möchten, suchen Sie bitte in einer Suchmaschine nach „Elaine Aron Test“. Der bekannte Fragebogen von Dr. Elaine Aron kann nämlich vielerorts im Internet gefunden werden. Es gibt ihn in verschiedenen Längen mit bis zu 29 Fragen. Eine verkürzte Version wurde auch für Kinder entwickelt und Jugendliche. Hier sind einige Eigenschaften beschrieben. Natürlich trifft keine einzige dieser Eigenschaften auf 100% der Hochsensiblen zu. Und Menschen können auch aus anderen Gründen einige dieser Eigenschaften haben.

Ein paar wichtige Dinge zur

Hochsensibilität

1. Sie ist keine Störung, die es zu heilen gilt, sondern fester Bestandteil der Persönlichkeit, vom ersten bis zum letzten Tag, jeden Tag. Bei Menschen sind ca. 15 bis 20% hochsensibel, und zwar Frauen und Männer gleichermaßen. Sie besteht bei etlichen Tierarten. Da die Natur mit der Evolution unnötige Funktionen löscht, darf man davon ausgehen, dass Hochsensibilität keineswegs unnötig, sondern sehr nützlich ist. Insbesondere könnten hochsensible Individuen in der Tierwelt eine Frühwarnfunktion haben, die Bedrohungen früher wahrnimmt, als der Rest der Herde. Wenn Schwierigkeiten mit der eigenen Hochsensibilität da sind, besteht die Lösung nicht daraus, die Hochsensibilität loszuwerden. Denn das wäre, als wollte man das Atmen loswerden. Sinnvoller ist es, der eigenen Hochsensibilität überhaupt bewusst zu werden, sie genauer kennenzulernen und sie zu akzeptieren. Dann kann man besser die damit verbundenen Stärken und Kompetenzen sehen und wertschätzen und sie ins eigene Leben integrieren. So entsteht eine Selbstfürsorge, um mit der eigenen Sensibilität angemessen zu haushalten. Und es fällt viel leichter, gegenüber den Mitmenschen für die eigenen Bedürfnisse einzustehen, wenn man diese Bedürfnisse gut kennt und wahrnimmt. Diese Integration der Hochsensibilität kann einige Veränderungen im Leben erfordern. Für eine Begleitung in dieser Bewusstwerdung und Wandlung ist ein Coaching sinnvoll. 2. Hochsensibilität beschreibt keine Verhaltensweisen, sondern wirkt sich auf die Verarbeitung von Reizempfindungen aus. Wie sich diese Verarbeitung wiederum auf das Verhalten auswirkt, ist bei jedem Menschen anders und verändert sich mit der Zeit. Ein bestimmter Reiz trifft Hochsensible nicht unbedingt stärker als Normalsensible. Sind die Reize jedoch im Nervensystem angekommen, tauchen sie tiefer ein. Sie werden bei Hochsensiblen detaillierter und intensiver verarbeitet. Das erfordert mehr Zeit und Energie. Um das zu verstehen, stellen Sie sich vor, dass Sie im Sommerurlaub im Meer schwimmen. Als normalsensibler Mensch erleben Sie es so, dass Sie an der Oberfläche voran kommen. Der Kopf gerät nur bei besonders hohen Wellen kurz unter Wasser. Als hochsensibler Mensch ist es aber so, als würden Sie bei fast jedem Schwimmzug unwillkürlich unter Wasser geraten, manchmal ziemlich tief. Sie kommen zwar vorwärts, aber langsamer und unter mehr Energieaufwand. Das hat aber auch einen Vorteil: Sie haben viel mehr Informationen darüber, was alles unter der Oberfläche passiert. Sie sehen die tiefen Strömungen und nicht nur die Wellen an der Oberfläche. Sie nehmen auf anderen Ebenen mehr wahr. 3. Zu starke oder zu viele Reize können zur Überforderung führen, manchmal sogar zu Kampf-oder-Flucht-Reaktionen. Ist die Überforderung erreicht, können Hochsensible sehr dünnhäutig reagieren. Außenstehende können diese überraschenden Reaktionen missverstehen und persönlich nehmen. Dabei bedeuten sie nur: Es haben sich zu viele unverarbeitete Reize angestaut, nichts geht mehr, es bedarf einer Pause, und zwar jetzt! Deswegen benötigen hochsensitive Menschen unbedingt Pausen und Orte des Rückzugs. Sie sollten lernen, die drohende Reizüberflutung im voraus zu spüren und eine Pause einzulegen, bevor die Alarmstufe erreicht ist. Man könnte sagen: Sie sollten lernen, schon bei Gelb anzuhalten, nicht erst bei Rot. Im Ruhemodus, wenn das Gehirn keine bewusste Aufgabe erledigt, arbeitet es nämlich all die angestauten Reize und Informationen auf und bildet neue Vernetzungen. Außerdem sind Hochsensible oft schreckhafter als andere. Diese deutliche Schreckreaktion kann von Außenstehenden als grundsätzliche Ängstlichkeit missverstanden werden. In Wirklichkeit ist das nur eine von vielen Auswirkungen, dass äußere Reize tiefer ins System gehen.

Hochsensibilität in Verbindung

mit anderen Wesenszügen

Hochsensibilität kann in einem Menschen auf andere Wesenszügen treffen, die auch im Konflikt zu ihr stehen können. So sind etwa 30% der Hochsensiblen zugleich „High Sensation Seekers“ (HSS), also auf der Suche nach immer neuen Reizen und Tätigkeiten. Dann langweilen sie sich schnell und suchen ständig nach etwas Neuem. Daraus ensteht eine Flut an Reizen, die ihr Hochsensibilität belastet. Betroffene beschreiben das gern so, als würden sie mit einem Fuß auf dem Gaspedal und dem anderen auf der Bremse durchs Leben fahren. Allerdings werden sie sich vielleicht mehr als normalsensible „High Sensation Seekers“ gegen Risiken absichern und Vorsichtsmaßnahmen treffen. Manche Eigenschaften der Hochsensiblen finden sich in anderen Menschengruppen wieder. So haben auch introvertierte Menschen immer wieder ein Bedürfnis nach Stille und Pausen. Übrigens wird geschätzt, dass etwa 70% der Hochsensiblen auch Introvertierte sind. Das bedeutet, dass ca. 30% der Hochsensible extravertiert sind. Hochsensible, die entweder extravertiert oder „High Sensation Seekers“ sind, ist es noch wichtiger als für andere, Ruhepausen einzulegen und dem Gehirn Gelegenheit zu geben, hinter der Reizflut her zu kommen. Man liest gelegentlich die Annahme, dass Hochbegabte grundsätzlich auch hochsensibel sind. Das ist aber bislang nicht durch die Forschung bestätigt. Die Kombination aus Hochsensibilität und Hochbegabung bildet jedoch noch einmal eine eigene Art Mensch. Diese Überschneidungen machen deutlich, dass es nicht einfach ist, Hochsensibilität von anderen Merkmalen abzugrenzen.

Woran erkennt man

Hochsensible?

In der Kindheit und Jugend Die Hochsensiblen sind oft die Kinder, um die man sich ein bisschen Sorgen macht, weil sie als Säugling bis zur Erschöpfung schreien. Sie tun das nicht, um ihre Eltern zu nerven, sondern weil sie Reize in einer Intensität erleben, mit der sie nicht umgehen können. Später spielen sie gerne auch mal alleine – auch wenn die Eltern sie lieber in der Gemeinschaft Gleichaltriger sähen. Oder diese Kinder betrachten das Geschehen eine Weile lang vom Rand des Spielplatzes oder Pausenhofs aus, statt sich gleich ins Getümmel zu stürzen und schnell einen Freundeskreis aufzubauen. Hochsensible Jungen interessieren sich oft wenig für das Sich-Messen und die Ruppigkeiten anderer Jungen und suchen möglicherweise in der Pubertät eher die Freundschaften mit Mädchen. Die männlichen Freundschaften kommen in diesem Fall später. Hochsensible Kinder können häufig schlecht damit umgehen, dass ihnen etwas misslingt oder sie Fehler begehen. Es kann sie ins Mark treffen. Eltern sollten solche Kinder also nicht nur loben, wenn sie etwas erreicht haben, sondern auch, wenn sie es trotz Misslingens aufrichtig versucht haben. Sonst kann es sein, dass es den eigenen Wert über Maßen am Erfolg festmacht und einen lähmenden Perfektionismus ins Erwachsenenalter mitnimmt. Auch die ersten Liebesbeziehungen können länger auf sich warten lassen, als bei Normalsensiblen. Das hochsensible Kind verlässt das Elternhaus tendenziell später als die anderen Kinder. Ein schwieriges oder traumatisches Umfeld trifft sie mehr als andere. Umgekehrt reagieren sie überdurchschnittlich positive auf ein aufbauendes und positives Umfeld. So zeigen z.B. diverse Studien, dass hochsensitivite junge Menschen besser als andere auf Programme zur Depressionsverhütung (Pluess, Binwell, 2015) oder Mobbying-Prävention (Nocentini, Mesentini, Pluess, 2018) reagieren. Wenn Kinder hochsensibel sind, ist es sinnvoll, auch bei den Eltern und Großeltern nachzuschauen, ob vielleicht eine unentdeckte Hochsensibilität vorhanden ist. Eine Studie von 2022 (Assary, Zavos, Krapohl et al.) zeigte, dass der Ursprung zu 47% genetisch ist. Eines möchte ich noch jungen hochsensiblen Menschen, die sich heute schwer tun, ihren Platz zu finden, ans Herz legen: Es wird mit den Jahren leichter. In der Jugend bilden sich Gruppen teilweise noch nach oberflächlichen Kriterien oder evolutionsbiologischer Programmierung. Aber mit der Zeit werden die Eigenschaften hochsensibler Menschen von anderen immer mehr geschätzt. Hochsensible Erwachsene Einige Merkmale von hochsensiblen Menschen: Detaillierte Wahrnehmung etlicher, kaum sichtbarer Reize wie etwa Mikroausdrücke in Gesichtern oder Stimmungen im Raum. Hochsensible Menschen benötigen oft erst eine Phase der Beobachtung eines Raums, bevor sie in den zwischenmenschlichen Austausch gehen. Hohe Empathie, wodurch sie ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen aus dem Blick verlieren können. Große Zugewandtheit – allerdings unter der Voraussetzung, dass zuvor eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut wurde. Bis dahin können Hochsensible im Gegenteil kühl und distanziert erscheinen. Zuhörfähigkeit – die von manchen redseligen Mitmenschen auch ausgenutzt wird. Sie drückt sich vor allem in Zweiergesprächen aus, fällt in größeren Gruppen schwerer. Hohe Empfindlichkeit auf das Umfeld. Die Art des Miteinanders, die Stimmung der Gruppe, der Aufbau der Räume können erheblichen Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit haben und es fällt ihnen schwer, sich davon abzuschotten. Prüfungssituationen können lähmend wirken. Tiefes Denken und Kreativität – was sie aber für sich behalten, wenn das Umfeld nicht offen ist. Spontanes Eingehen von Risiken und Veränderungen fällt schwer. Lässt man ihnen jedoch Zeit, die Veränderungen zu planen, sind sie dazu durchaus fähig, und erweisen sich als gute Planer. Veränderungen sollten jedoch besser in kleine Schritte aufgeteilt werden. Konfliktvermeidung. Hochsensible mögen keine Konflikte und werden mitunter meiden, zu widersprechen, bis sie den Druck nicht mehr aushalten und es aus ihnen heraus platzt. Wenn man merkt, dass sich ein hochsensibler Mensch versteift oder er verstummt, ist es hilfreich, ihn nach seiner Meinung zu fragen, um den Druck heraus zu nehmen bevor er überläuft. (“Ich merke, dass du nicht einverstanden bist. Was meinst du dazu?”) Gewissenhaftigkeit in der Sache, ohne sich dafür in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Das führt viele Hochsensible in Situationen, in denen sie erleben, wie sie etwas leisten und sich andere dann mit den Federn schmücken. Tendenz zum Perfektionismus, der lähmend werden kann. Interessen des Kollektivs werden oft über die eigenen Interessen gestellt. Daraus ergibt sich ein Sinn fürs das große Ganze. Es fällt ihnen häufig schwer, rücksichtslos ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Häufig fällt es ihnen schwer, überhaupt für ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse einzustehen. Ein starker Gleichgewichtssinn bzw. Sinn für Ausgleich, oft Gerechtigkeitssinn genannt. Aber Gerechtigkeit ist etwas, das sehr von Ort und Zeit abhängt. Hier ist hingegen ein tieferer Sinn für Ungleichgewichte gemeint, der bei vielen hochsensiblen Menschen einen Drang erzeugt, sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Verbundenheit mit der Natur - die besonders heilsam wirkt. Hochsensible sollten die Natur so oft wie möglich aufsuchen. Dieses intensive Empfinden geht oft mit einem Mangel an Selbstwertgefühl und damit auch an Selbstbewusstsein einher. Eine Folge kann sein, dass bestimmte Lebenssituationen zunehmend gemieden werden. Diese Vermeidungsverhalten können dazu führen, dass Potenziale nicht entfaltet werden und das Leben insgesamt „kleiner“ wird. Das wiederum drückt auf das Selbstwertgefühl. Um aus diesem Teufelskreis auszusteigen, ist ein Perspektivwechsel auf die eigene Hochsensibilität erforderlich. Dann kann man beginnen, die Schätze zu heben, die der Hochsensibilität inne liegen. Das Höhere in Mensch und Natur Hochsensible sind oft an Formen der Kunst, der Spiritualität und der Schönheit interessiert. Dies hat auch damit zu tun, dass sie sich als Bestandteil eines großen Ganzen sehen - mit dem sie aufgrund der tiefen Reizverarbeitung ja ohnehin in ständigem Austausch stehen. Daher kann ein Gang durch die Natur ausgesprochen heilsam auf sie wirken und empfiehlt sich ganz besonders in schwierigen Zeiten.

Wie geht es weiter?

Hochsensibilität im Coaching

Viel wahrnehmen mag mitunter anstrengend sein, aber warum sollte es eine Schwäche sein? Wer denkt, dass die Lösungen für die Welt vielleicht doch nicht im Schreien und Polarisieren liegen, findet sie ja vielleicht bei den hochsensiblen Menschen. Denn die wissen intuitiv, wie man ein menschliches Kollektiv enger zusammenhält, und zudem wollen sie dabei lieber zuhören als selbst im Mittelpunkt stehen. Der Umgang mit Hochsensibilität besteht in den folgenden Schritten: 1. Die Hochsensibilität bei sich selbst erkennen. 2. Lernen, was zur Hochsensibilität dazu gehört und was nicht. Die damit verbundenen Stärken und Fähigkeiten verstehen und wertschätzen. Aber auch die Herausforderungen ehrlich sehen und angemessene Lösungsstrategien entwickeln. 3. Die Hochsensibilität bei sich akzeptieren und beginnen, aus vorhandenen Vermeidungsverhalten aussteigen, damit das eigene Leben wieder „größer“ werden kann. 4. Die Hochsensibilität in den eigenen Alltag integrieren. Das eigene Leben und die bisherigen Glaubenssätze darauf prüfen, wo Anpassungen erforderlich sind, um die Lebensqualität zu erhöhen. 5. Nach außen hin zur eigenen Hochsensibilität stehen. Für die eigenen Bedürfnisse eintreten. Die eigenen Stärken besser nach vorne stellen. Wagen, endlich gesehen zu werden. Wer mehr im Einklang mit seiner wahren Natur ist, kann sich vertrauensvoller und offener den Menschen und der Welt zeigen. Ein Coach ist ein sinnvoller Begleiter, wenn Sie in solch unsicheren Zeiten den inneren Halt und den inneren Kompass aufbauen möchten, wenn Sie nicht mehr wegen Ihres starken und manchmal überwältigenden Empfindens an Ihrem Leben vorbei leben möchten, wenn Sie stattdessen die Stärken und Kompetenzen der Hochsensibilität in sich aufdecken wollen. Beachten Sie bitte: Ein Coach ist kein Therapeut. Der Berliner Psychotherapeut Tom Falkenstein empfiehlt, sich psychotherapeutischen Rat zu suchen, wenn Sie zwar denken, dass Sie hochsensibel sind, aber gleichzeitig daran zweifeln, dass die starken Gefühle und Empfindungen allein aus der Hochsensibilität stammen. So kann eine Diagnose gestellt werden, die beispielsweise psychische Störungen ermittelt oder ausschließt. Ein Coach kann psychische Störungen weder diagnostizieren, noch eine Therapie dafür anbieten. Ein Coach kann aber dabei behilflich sein, mit der eigenen Hochsensibilität besser umzugehen – vor allem, wenn er selbst hochsensibel ist.

Coaching für Menschen

mit Hochsensibilität